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Neue Westfälische, 25. September 2008

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Dürftiger Sommer, ordentliche Besucherzahlen: Zwischen 20 und 72 Prozent mehr

Rückenwind für Bäder

Bielefeld. Knapp 300.000 Besucher in den Freibädern - das ist Durchschnitt im Mehrjahresvergleich. Und doch war die zurückliegende Saison für etliche Bielefelder Bäder alles andere als durchschnittlich. Sie konnten sich gewaltig steigern, trotz eines Sommers, der nur am Anfang überzeugte und die Bäder dann im Stich ließ: Zwischen Juni und August regnete es fast jeden zweiten Tag. Besonders den Fördervereinsbädern, über deren Zukunft gerade verhandelt wird, geben die Besucherzahlen Rückenwind.

Mieser Sommer, passable Besucherzahlen: Kamen vergangenes Jahr in die acht Bäder 226.000 Menschen, waren es dieses Jahr 294.000 - und das, wo mit Brackwede ein Bad ausfiel; es wird für fast drei Millionen Euro zum Naturbad umgebaut. Ein Besucher-Plus von 30 Prozent - und hier lohnt das genaue Hinsehen: Von den drei Bädern, die komplett von der kommunalen Bädergesellschaft BBF betrieben werden, steigerten sich zwei nur um 20 Prozent (Wiesenbad und Jöllenbeck). Wiesenbad-Chef Wolfgang Blank: "Zu viele Wolken."
Sein Bad, 27 Grad warm, ist einerseits das beliebteste Freibad mit meist um die 100.000 Gästen, andererseits teuer: "Viel Personal, starkbeheizt", so BBF-Chef Hans-Werner Bruns, der jährlich mit den acht Freibädern ein Minus von zwischen einer halben und einer Million Euro ausweist.
Den drei rein kommunalen Bädern gegenüber stehen fünf von Fördervereinen betriebene und öffentlich bezuschusste Bäder. Besonders glänzen Hillegossen und Dornberg (beide über 60 Prozent) und das unbeheizte Gadderbaumer Bad mit plus 72 Prozent. Sie näherten sich den Rekordzahlen aus dem Super-Sommer 2003.
In Hillegossen und Dornberg, wo die Bäder mit Millionenaufwand aufgepeppt worden sind, liegt der Anstieg auf der Hand. Bruns: "Das geht eindeutig auf die Sanierungen zurück."
Anders ist es in Gadderbaum. Hier kämpft der Förderverein seit Jahren gegen das Aus des alten Bades - steigerte die Mitgliederzahlen gewaltig. Wie Schröttinghausen und Dornberg ist Gadderbaum an der Grenze zu 2.000 Mitgliedern. Bruns: "Da sind die Zahlen explodiert - die haben da wirklich viel mobilisiert." Lohn: 25.000 Badegäste. Weiterer Lohn: Die Bezirksvertreter beschlossen die Sanierung des Bades, es entscheidet der Rat.
Parallel dazu verhandelt die Bädergesellschaft mit den Fördervereinen über neue Verträge, die die Vereine besser stellen sollen und die Verantwortung wieder stärker bei der Bädergesellschaft verankert (NW berichtete). Bruns: "Wir wollen keinen Förderverein in den Ruin treiben, die haben teilweise ihre Grenzen erreicht." Ziel sei "ein vernünftiges Miteinander". Michael Ullrich vom Förderverein in Schröttinghausen will die Verhandlungen abwarten, ist aber "für die Vereine optimistisch". Dabei kann gerade er skeptisch sein, hat doch sein Verein im Winterhalbjahr 450.000 Euro und 7.000 Arbeitsstunden in die Sanierung des Bades gesteckt und ist am wenigsten auf die Stadt angewiesen.
Eines eint alle Bäder-Chefs und Vereinsvorsitzenden: Sie wünschen sich nächstes Jahr mal wieder einen Super-Sommer.


Freibad-Politik: Klug (Kommentar)
Das Kompliment gilt den Fördervereinen. Gedeckelt auf einen bescheidenen Betrag haben sie in den Bädern Großes geleistet. Sie zeigen, wie Stadtbezirke für eine Sache mobilisiert werden können.
Die quasi-städtische Bädergesellschaft förderte durch ihr Sparkorsett die Identifikation mit den Bädern: Mehr als zuletzt wurde selten über Freibäder diskutiert. Ob die Bädergesellschaft dieses Ziel verfolgte, als sie die Bäder an die Vereine übergab und die eigenen Ausgaben senkte, sei dahingestellt. Fakt ist: Drei Bäder sind saniert, teils prächtig. Millionen Euro, auch Vereinsgelder, sind in die Bäder geflossen, dazu viel Muskelkraft aus den Fördervereinen.
Denen aber geht teilweise, besonders da, wo das Bad glänzt, die Luft aus. Die Mitglieder haben einen hohen Altersdurchschnitt, teilweise sind sie überaltert. Die BBF weiß, dass bei Aufgabe der Vereine die Bäder an sie zurückfallen - und, frisch saniert, natürlich nicht geschlossen werden können.
Deshalb ist es klug, nun die Rückholaktion zu starten, wo die Zeichen zu sehen sind, aber (noch) kein Verein aufgibt. Am stärksten gewachsen ist zuletzt der Gadderbaumer Förderverein. Das bereits beerdigte Bad lebt mehr denn je. Hier lauert ein Knackpunkt: Brackwede wird umgebaut, die anderen Bäder sind saniert - und soll nun der 1.750 Mitglieder starke Förderverein auf einem teils maroden Bad sitzenbleiben?
Der von der Bädergesellschaf eingeschlagene Weg ist klug aber auch teurer. Trotzdem: In einer Gesellschaft, die immer dickere Kindern beklagt, ist das in Freibäder investierte Geld gut angelegt. Und vielleicht folgt als Lohn ja auch mal wieder ein Sommer, der einer ist.

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