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Westfalen-Blatt, 9. März 1999

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Freibad als bundesweites Pilotprojekt

Wärme aus 100 Meter Tiefe heizt Wasser auf

Bielefeld-Dornberg (bp). Ausgerechnet das Wetter lieferte gestern das überzeugende Argument pro Erdwärme für das Freibad Dornberg. Und gegen eine Solaranlage. Denn mindestens drei Tage Sonnenschein wären nötig, um das Freibadwasser per Solaranlage auf 24 Grad aufzuheizen, während Erdwärme permanent, Tag und Nacht, im Winter und im Sommer, zur Verfügung steht. Auch bei Dauerregen wie gestern, als Britta Haßelmann als Aufsichtsratsvorsitzende der Bielefelder Bäder und Freizeiteinrichtungen GmbH (BBF) offiziell den Hebel umlegte für die erste Bohrung.

Brunnenbaumeister Ralf Stückerjürgen von der verantwortlichen Firma Konrad Stükerjürgen Wassertechnik GmbH, Rietberg, erklärte: »Das nennt man abteufen.« Die Beheizung des Freibades Dornberg mit Erdwärme ist ein Pilotprojekt - deutschlandweit einmalig.
Seit seiner Gründung vor fünf Jahren hat sich der Förderverein Freibad Dornberg nach einer Möglichkeit gesucht, die völlig veraltete Heizanlage, die das Beckenwasser erwärmt, zu ersetzen. Und zwar, so Förderverein-Vorsitzender Johannes Wiefel, »kostengünstig und energiesparend«. Für den wirtschaftlichen Einsatz einer Solaranlage zum Beispiel hätte nicht nur (häufig) die Sonne gefehlt, sondern auch der Platz. Möglich wird die Nutzung der Erdwärme durch die finanzielle Beteiligung von BBF und Stadtwerken; die Gesamtinvestitionskosten belaufen sich auf 150 000 Mark. Zum Vergleich: Wer die Geothermie für ein Einfamilienhaus nutzen möchte, muß durchschnittlich 30 000 Mark investieren. Der Förderverein freut sich vor allem über eine Halbierung der jährlichen Energiekosten, die von bislang 10 000 Mark für den Verbrauch von 20 000 Kubikmeter Gas auf 5 000 Mark sinken sollen. Obendrein, so Johannes Wiefel, werde die Wassertemperatur von früher 22 auf 24 Grad erhöht: »Das macht das Bad attraktiver.«
Die Firma Stükerjürgen nimmt zehn Bohrungen bis in jeweils 100 Meter Tiefe vor - dort beträgt die Erdwärme 12 Grad Celsius; installiert werden nicht nur das komplette Rohrleitungssystem (Ralf Stükerjürgen: »Wärme geht nicht verloren.«), sondern auch eine Wasser-Wärme-Pumpe und ein zusätzlicher Gasbrennwertkessel für Spitzenlast und Duschwasser. Jede Bohrung dauert drei Tage, in sechs Wochen soll das komplette System nutzbar sein. Eröffnet wird das Dornberger Freibad, in das im letzten verregneten Sommer 30 000 Besucher kamen, je nach Wetter, so Johannes Wiefel, »zwischen dem 13. und dem 22. Mai.«
Mit der Eröffnung soll auch die wissenschaftliche Begleitung der Fakultät für Physik der Universität Bielefeld beginnen, mit dem der Wirkungsgrad der Erdwärme durch exakte Meßdaten nachgewiesen werden sollen. Für Ralf Stükerjürgen ein neues Verkaufsargument seiner Erdwärmeanlagen. Denn während in der Schweiz, so erzählt er, bereits jedes dritte Haus per Erdwärme beheizt werde, sei man in Bielefeld noch »zurückhaltend«, im Kreis Gütersloh würden es zum Jahresende immerhin 55 Häuser sein.

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